“Klüger durch Schach?” – Glarean Magazin, Multiposting und Borniertheit

Nie habe ich einen Artikel wegen eines so lächerlichen Anlasses geschrieben. Eigentlich nur, weil Herr Walter Eigenmann vom “Glarean Magazin” einen Kommentar nicht für interessant genug erachtet, um diesen freizuschalten. Gut, bei meinen Kommentaren mag das niemand wundern. Aber in diesem besonderen Fall hat es sich um eine direkte Antwort von mir auf eine Stellungnahme von Walter Eigenmann gehandelt, in der ich mich persönlich angegriffen fühlte. Keine Replik mehr zuzulassen, ist für mich nicht nur keine Netikette, sondern grenzt an willkürliche Unterdrückung ungenehmer Äußerungen, wie ich sie zwischen Betreibern von Schachwebseiten nicht erwartet hätte. Dazu steht dieses Verhalten in vollkommenem Gegensatz zum eigenen Multiposting von Walter Eigenmann zum Thema in den deutschsprachigen Schachforen (einfach “glarean klüger” googlen) . Der Link zum Glarean-Artikel ist hier zu finden, Walter Eigenmanns letzter Kommentar, meine nicht frei geschaltete Antwort und seine Ablehnung folgen zwecks Dokumentation. (Nachtrag 30.11.09: sowie eine Richtigstellung)

Kommentar Walter Eigenmann am 27. November 2009

>Ich hoffte, Sie könnten mehr dazu sagen, weil Sie die Rolle des Deutschen Schachbundes so betont haben.

Ich habe die „Rolle des Deutschen Schachbundes“ keineswegs betont, sondern informell auf seine Co-Herausgeberschaft hingewiesen. Dabei ging ich allerdings in der Tat von einer finanziellen Beteilung des DSB aus. Guido Feldmann hat das ja inzwischen richtiggestellt.

>Untersuchungen über etwa Schach und Schule begrüße ich ebenfalls. Ich denke aber, dass man hier auf Seriösität setzen sollte. Die Verquickung mit Public Relations, wie sie im besprochenen Buch nicht bloß im Titel geschieht, kann mich nicht begeistern. Wie mal jemand sagte: „So fühlt man Absicht und man ist verstimmt.“
Herzliche Grüße Wilhelm Schlemermeyer

Da hören Sie aber kräftig irgendwelches Gras wachsen
Denn bei dieser Buchpublikation sehe ich keinerlei Unseriösität: Autorin, Verlag, Herausgeberschaft sind ganz normal deklariert, und der Inhalt sogar streng wissenschaftlich.
Wie Sie zudem bei dem Buchtitel „Klüger durch Schach“ auf eine „Verquickung mit Public Relations“ kommen, ist mir endgültig schleierhaft…

Ich hoffe doch, dass man das Zitat nicht gegen den Zitierenden richten muss, der da schrieb: „So fühlt man Absicht und man ist verstimmt.“…

W.E.

Kommentar Wilhelm Schlemermeyer am 27. November 2009 (nicht freigeschaltet) – (im Text wurde ein Schreibfehler korrigiert)

Lieber Walter Eigenmann,

durch Ihren letzten Beitrag fühle ich mich ein bisschen genötigt noch einmal etwas zu schreiben. Gut, sie kommentieren und werten jede meiner Äußerungen. Aber war der persönliche Angriff zum Schluss wirklich nötig?

Zur Klarstellung: Ich schreibe hier meine Gedanken und Einschätzungen. Die müssen nicht richtig sein und niemand muss Sie teilen. Aber bitte unterstellen Sie mir doch keine Unredlichkeit!

Ebenfalls zur Klarstellung:

1) Ich erwarte von einem seriösen Buch Klarheit in der Formulierung und Nachvollziehbarkeit der Argumente. Andernfalls lässt sich in der Sache schwerlich streiten. Daran mangelt es nach meiner Ansicht etwa bei den Thesen zum Schluss in Frau Bönsch-Kaukes Buch stark. Mir erscheinen diese im wörtlichen Sinne indiskutabel zu sein. Hier stellen wir offensichtlich unterschiedliche Ansprüche. Denn wie Sie zu Beginn Ihrer Besprechung schreiben, halten Sie diese Thesen für durch Forschung bewiesen und sehen darin in Anschluss an Frau Bönsch-Kauke den Kern einer Meta-Schachtheorie.

Sehen Sie sich allein oben in Ihrer Besprechung die Passagen zu den Thesen 2. „Das Schachspiel gleicht dem Lebenskampf“ und 3. „Schachstrategeme dienen sinnvoller Lebensführung“ an. Ich raufe mir beim Lesen die Haare, Sie posten den Text in fast allen Schachforen. Andere Leser werden sich ihr eigenes Urteil bilden.

2) Bezüglich Public Relations schon im Buchtitel war ich zugegeben etwas empfindlich, auch wenn mir dies Motiv offensichtlich scheint. Wie Sie in Ihrer Besprechung selbst dokumentieren, ist das Buch teilweise als Werbeschrift verfasst. Und wie von Ihnen angeregt habe ich auch beim DSB nachgefragt. Mir wurde mitgeteilt, bei Frau Bönsch-Kaukes Arbeit handele es sich um eine gering honorierte Auftragsarbeit des DSB. Guido Feldmann schreibt nun, vom DSB wurde nichts gezahlt. Stimmt beides, muss das Honorar aus anderer Quelle geflossen worden sein. Das ist natürlich nicht mehr als eine Schlussfolgerung!

(Ergänzung 30. November 2009: Zu dieser Frage gibt es eine Richtigstellung am Ende des Beitrags)

3) Noch eine Anmerkung zur Deutschen Schachstiftung. Dabei handelt es sich um eine Stiftung und nicht um einen Verband, wie Sie oben schreiben. Der Stiftungsvorstand Matthias Dräger ist auch der Verlagsinhaber des Reichl- und Leibnitz-Verlages, bei dem „Klüger durch Schach“ erschienen ist. Wenn Sie auf der Webpräsenz der Deutschen Schachstiftung (Link zu finden gegen Ende Ihrer Besprechung) den ersten Beitrag über eine Pressekonferenz bei der Schacholympiade in Dresden 2008 mit dem Titel „Sternstunde des Schulschachs“ lesen, finden Sie dort u. a. Frau Bönsch-Kauke, Detlef Koch und Cor van Wijgerden unter den Teilnehmern. Detlef Koch, der im Rahmen der Deutschen Schachstiftung an Lübecker Grundschulen Schach unterrichtet, spricht von Schach als einem „Therapeutikum der Nation“, Cor van Wijgerden sagt „Schach ist wichtig – aber kein Heilmittel gegen alles!“. Da kann ich nur Cor van Wijgerden zustimmen.

Herzliche Grüße
Wilhelm Schlemermeyer

Mitteilung per E-Mail von Walter Eigenmann am 28. November 2009

In einer privaten E-Mail erklärte Herr Eigenmann mir dann in einem Satz, dass von mir keine neuen Erkenntnisse zu erwarten seien.

Nachtrag und Richtigstellung (30. November 2009)

Ich wurde freundlicherweise darauf hingewiesen, dass sich die von mir aufgeworfene Frage nach der Finanzierung von Frau Bönsch-Kaukes Arbeit durch den Deutschen Schachbund wie folgt beantworten lässt.

  • Vom Deutschen Schachbund in Auftrag gegeben und auch honoriert verfasste Frau Bönsch-Kauke 2007 eine Arbeit mit dem Titel “Expertise zu den Imagewerten des Schachs. Eine wissenschaftliche Studie über Erkenntnisse zu den Werten des Schachspiels”. Meines Wissens wurde diese nicht veröffentlicht.  Auf der Website des DSB gibt es auch einen Artikel von Frau Bönsch-Kauke über einen DOSB-Lehrgang 2007, in dem diese Arbeit erwähnt wird. Link hier.
  • Als private Arbeit veröffentlichte Frau Bönsch-Kauke 2008 ein Buch mit dem Titel “Klüger durch Schach: Wissenschaftliche Forschungen zu den Werten des Schachspiels”. Erschienen ist dieses im Leibnitz-Verlag. Im Buch findet sich der Vermerk “Herausgegeben in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Schachbund und der Deutschen Schachstiftung”. Eine finanzielle Beteiligung des DSB an diesem Buch gab es nicht. Die Arbeit von 2007 wird im Literaturverzeichnis des Buches angeführt: “Kauke, M.: Expertise zu den Imagewerten des Schachs. Eine wissenschaftliche Studie über Erkenntnisse zu den Werten des Schachspiels. Berlin 2007″.

Ich hoffe, die Frage der Finanzierung und die vermeintlich widersprüchlichen Auskünfte seitens des Deutschen Schachbundes sind damit geklärt. Soweit das Erfreuliche. Ich bedaure allerdings, bezüglich dieser Frage selbst etwas zu aufgeregt Mutmaßungen formuliert zu haben.

Ausgangspunkt dafür war die unrichtige Behauptung von Herrn Eigenmann (Glarean Magazin) in seiner Besprechung des Buches von Frau Bönsch-Kauke, dieses sei vom Deutschen Schachbund “maßgeblich finanziert” worden (Zitat: “Die vom Deutschen Schachbund initiierte und maßgeblich finanzierte Metaexpertise der Psychologin”). Diese Textstelle hat Herr Eigenmann in der Besprechung selbst inzwischen stillschweigend geändert (derzeit Zitat: “Die vom Deutschen Schachbund initiierte und herausgegebene Metaexpertise der Psychologin”) und so ist die alte Aussage nur noch indirekt in den Kommentaren zu finden.

Gleichwohl bin ich selbst für meine Äußerungen verantwortlich. In der Wahl meiner Quellen sollte ich in Zukunft etwas vorsichtiger sein.

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Ein Kommentar

  1. Marcel
    Erstellt am 30. November 2009 um 16:55 | Permanent-Link

    Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie sich doch manche Menschen über die Meinungs- und in diesem Falle gar Pressefreiheit hinwegsetzen. Zudem lässt Herr Eigenmann durch das Führen eines Blogs auch noch den Anschein erwecken, dass er einer seriösen und konstruktiven Kritik nicht im Wege steht. Das Ablehnen von Kommentaren sollte nur zum Beseitigen von Spam, Doppelposts oder nicht zum Thema passendem dienen und nicht dazu kritische, seriöse aber ungeliebte Meinungen nicht zu veröffentlichen. Das ist Zensur und im Sinne der Demokratie gar nicht gut.
    Meiner Meinung nach ist deine Kritik durchaus berechtigt und vor allem auch seriös und nicht aggressiv verfasst.
    Was mich, gerade im Internet als auch bei sogenannten “seriösen” Buchverlagen stört ist das permanente Hinweisen auf professionelle, seriöse und vor allem wissenschaftliche Arbeitsweisen. Da ich selbst im Forschungsbereich tätig bin, weiß ich, dass tatsächliche Literatur mit dem Anspruch auf Wissenschaftlichkeit und Integrität diese Ansprüche nicht in einem Untertitel hervorhebt, sondern durch Quellenangaben und das Zitieren von International anerkannten Quellen…

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  1. Von Marion B am 15. Dezember 2009 um 11:28

    [...] [...]

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